Vom 26. Oktober 2024, dem Intersex Awareness Tag, bis zum 27. Oktober 2024 fand unsere Inter*Stellar Tagung Berlin statt. Wir trafen uns im Herzen von Berlin, in Kreuzberg, im Aquarium neben dem Südblock am Kotti.












Rund elf Jahre nachdem OII Germany in Kooperation mit TrIQ zum ersten Mal in 2011 und zuletzt in 2013 die Inter*Tagungen Berlin organisiert hatten, konnten wir Dank unserer Förder_innen und mit ehrenamtlicher Unterstützung schließlich wieder zu einer Tagung von und für Intergeschlechtliche einladen und als Premiere auch Zu-und Angehörige inkludieren.
In 2011 und 2013 gab es in Berlin nur eine Handvoll inter* Personen, die öffentlich out waren. Dies hat sich mittlerweile in Berlin sowie deutschlandweit und global verändert durch einen kontinuierlichen Inter*Aktivismus.
Sichtbarkeiten und als Inter* out sein sind jedoch immer noch damit verbunden, dass es Halbwissen und Vorannahmen gibt, die nicht viel mit unseren tatsächlichen Lebensrealitäten von Inter* und unseren Zugehörigen zu tun haben und mit denen wir alle uns in der Folge auseinandersetzen müssen. Nicht so am 26. Und 27. Oktober 2024. In dieser Zeit war inter* Sein und inter* Zugehörigen Sein die Norm.
Öffentliches Podium
Am Intersex Awareness Tag starteten wir mit einem öffentlichen Podium, das sehr gut besucht wurde. Professor_in Janik Bastien Charlebois und Doktorandin Audrey Aegerter gaben Einblick als inter* Akademiker_innen in ihre Forschungen und Analysen zur Lebenssituation von inter* Personen. Die Vorträge können als Aufzeichnung nachgeschaut werden.
Nach den Vorträgen konnten Fragen aus dem Plenum gestellt werden. Diese Beiträge waren eine großartige Möglichkeit, Einblicke in die Lebenswelten von inter* Personen zu erhalten. Die Forschungen und Analysen tragen dazu bei, das Verständnis und die Sichtbarkeit für intergeschlechtliche Menschen zu fördern.
Videoaufzeichnungen der Vorträge
Vortrag Audrey Aegerter
Vortrag Janik Bastien-Charlebois
Inter*Only (geschlossener) Teil der Tagung
Die Mittagspause leitete über in den geschlossenen Bereich, der für Intergeschlechtliche und ihre Zu- bzw. Angehörigen reserviert war. Unsere Tagung hat eine Vielzahl von inter* Personen und Zugehörige zusammengebracht. Das Programm und unsere Workshops waren an der Community orientiert.
Es gab zwei Workshops für Intergeschlechtliche: Einen partizipativen Empowerment Workshop, den Julien Charles von TriQ abgehalten hat, sowie einen Kreativworkshop. Zudem gab es einen Workshop, in dem sich Zu- und Angehörige, wie Partner_innen und Elternteile austauschen konnten. Unsere Tagung wurde von AWA*, einem Awareness Team begleitet, das Erfahrung mit Intergeschlechtlichkeit hat.
Unsere Tagung hat eine Plattform geschaffen für Einblicke in soziale und soziologische Inter* Forschung, Reden, sich Begegnen, sich Kennenlernen, gemeinsames Essen oder einfach da sein, schauen und Zuhören.
Der Tag wurde abgerundet durch offene Bereiche mit kreativen Möglichkeiten und Gesprächen. All diese Aktivitäten schufen eine einladende und energiereiche Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen konnten. An beiden Tagen gab es Tische mit Informations- sowie Empowerment Materialien zum Thema Intergeschlechtlichkeit.
Tag 2 der Tagung
Am nächsten Tag klang unsere Tagung mit weiteren Vernetzungen und Gesprächen aus. Wir hoffen, dass alle Teilnehmer_innen bereichernde Erfahrungen und neue Kontakte mitnehmen konnten.
Wir möchten uns ganz herzlich bei unseren Förder_innen bedanken: Astraea Lesbian Foundation for Justice, Dreilinden – Gesellschaft für gemeinnütziges Privatkapital mbH und Mama Cash, sowie allen Spender_innen und ehrenamtlichen Unterstützer_innen.
Intersex Awareness Day – Einführung
Der Intersex Awareness Day (IAD), der von Betsy Driver und Emi Koyama 2003 ins Leben gerufen wurde, beruht auf einer gemeinsamen Aktion der amerikanischen Intersex Gruppe Hermaphrodites with Attitude (HWA) und der Trans-Gruppe Trans Menace: Sie demonstrierten am 26.10.1996 vor der Jahreskonferenz der American Association of Paediatrics (AAP) in Boston.
Die Demonstrierenden empörten sich über die an der Konferenz teilnehmenden Ärzte und Mediziner_innen, die sich für Genitaloperationen an Inter*Säuglingen aussprachen und diese durchführten um ihnen ein sogenanntes „normales Erscheinungsbild“ zu verordnen. Einige der Protestierenden waren selbst Überlebende dieser frühkindlichen Operationen.
Die Proteste waren vor 28 Jahren, der IAD jährt sich 2024 zum 21. Mal.
Betsy Driver, die auch heute immer noch aktiv ist für die Menschenrechte von Intergeschlechtlichen schreibt 2015 rückblickend:
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„Wir haben den Intersex Awareness Day als Grasswurzelaktion zur Sensibilisierung für das Thema Intersexualität konzipiert. Wir haben andere Organisationen ermutigt, sich daran zu beteiligen.“
– Betsy Driver
Intersex Awareness Day:
https://intersexday.org/en/origin-intersex-awareness-day/




