Weiterhin uneingewilligte Genitaloperationen an intergeschlechtlichen Kindern in Deutschland – Follow Up-Studie zur Entwicklung der OP-Zahlen erschienen

Pressemitteilung OII Deutschland

Zwei Jahre nach einer ersten Studie zur quantitativen Entwicklung feminisierender und maskulinisierender Genitaloperationen an Kindern mit einer Variation der körperlichen Geschlechtsmerkmale haben nun Dr. Josch Hoenes, Dr. Eugen Januschke und Dr. Ulrike Klöppel (Beiratsmitglied von OII Deutschland) ein Follow Up vorgelegt, welches für die Jahre 2015 und 2016 die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in deutschen Krankenhäusern mit Zahlen belegt.[1] Das Ergebnis der am 1.2.19 auf den Webseiten der Universität Bochum veröffentlichten Studie offenbart eine erschreckende Unfähigkeit der Medizin für eine echte Abkehr von einer normativen, paternalistischen und gewaltsamen Behandlungspraxis. Trotz nach und nach überarbeiteter Leitlinien hat die Häufigkeit von an unter zehn Jahre alten Kindern mit Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale stationär durchgeführten Feminisierungs- und Maskulinisierungsoperationen im Verhältnis zu den Diagnosestellungen in den Jahren 2005 bis 2016 nicht abgenommen. Sie ist vielmehr im Großen und Ganzen konstant geblieben. Durchschnittlich wurden laut Studie im gesamten Untersuchungszeitraum pro Jahr 1871 feminisierende und maskulinisierende chirurgische Prozeduren durchgeführt; im Jahr 2016 waren es sogar 2079 Operationsverfahren.

Dr. Dan Ghattas, Geschäftsführer von Organisation Intersex International Europe und Vorstandsmitglied von OII Deutschland, kommentiert: „Die Bochumer Follow Up-Studie unterstreicht erneut, wie dringlich ein wirksames Verbot geschlechtsverändernder Eingriffe an den angeborenen Geschlechtsmerkmalen ist, wenn diese Eingriffe nicht zur Lebenserhaltung oder zur akuten körperlichen Gesunderhaltung notwendig sind. Das muss für alle Kinder gelten, die nicht selbst einwilligungsfähig sind, egal welche Diagnose sie erhalten haben.“

Ins A Kromminga, Vorstandsmitglied von OII Germany, kommentiert: „Die Studie belegt, was wir Aktivist*innen schon lange wissen. So entstehen offenbar weiterhin Generationen von Überlebenden dieser schrecklichen Praxis. Ich bin es leid, auf junge Aktivist*innen zu treffen, die zu dem Zeitpunkt operiert wurden, an dem ich vor rund 20 Jahren den Kampf gegen die Menschenrechtsverletzungen an Inter* begonnen habe! Nur ein explizites Verbot dieser Eingriffe unter Androhung von Strafe wird meiner Meinung nach ein Umdenken in der Medizin herbeiführen.“

[1]               Der Titel der Studie lautet „Häufigkeit normangleichender Operationen ‚uneindeutiger‘ Genitalien im Kindesalter“. Sie ist von der Ruhr-Universität Bochum in Auftrag gegeben worden und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert worden. Link zur Studie: https://omp.ub.rub.de/index.php/RUB/catalog/book/113.

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